Mittwoch, 23. Mai 2012
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Sonne, Strand, Meer – oder mehr? Die Planung einer erfolgreichen Sprachreise

Insbesondere Schüler, aber auch Studenten, Auszubildende oder Berufstätige betrachten bei der Planung ihres Sprachaufenthaltes die Attraktivität des geographischen Ziels als das wichtigste Kriterium – eine Fehleinschätzung, die vor Ort oder im Nachhinein immer wieder zu Enttäuschungen führt. Viel wichtiger als die Festlegung auf den Zielort ist zunächst einmal die Definition der Ziele, die man durch die Absolvierung eines Sprachkurses im Ausland erreichen will. An erster Stelle steht in der Regel der Wunsch, die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Das Gefühl, in die Kultur und den Alltag des Gastlandes integriert zu werden, ohne als Tourist zu gelten, macht zusätzlich den Reiz einer Sprachreise aus. Erwartet man von dem geplanten Aufenthalt also mehr als Sonne, Strand und Meer, sollte man bei der Auswahl des richtigen Sprachkurses folgenden Punkten Beachtung schenken:

Unterrichtsform und Lehrpersonal
Sprachkurse für Schüler oder Erwachsene werden sowohl von deutschen Sprachreiseveranstaltern als auch von im Gastland ansässigen Sprachschulen sowie von Sprachenzentren ausländischer Hochschulen angeboten. In der Regel kann der Kursteilnehmer sich vorab für eine der folgenden Unterrichtsformen entscheiden: für Einzel- bzw. Privatunterricht, für Gruppenunterricht oder für eine Kombination aus Einzel- und Gruppenunterricht. Einzelunterricht ist verständlicherweise teurer, da intensiv auf die Bedürfnisse und Schwächen des Sprachkursabsolventen eingegangen werden kann. Der Gruppenunterricht ist die kostengünstigste Variante. Damit man vom Lernen in der Gruppe profitiert, sollte die Zahl der Kursteilnehmer überschaubar sein – je weniger Teilnehmer, desto effektiver – und das Sprachniveau sollte unbedingt dem eigenen Leistungsstand entsprechen, damit man sich weder unter- noch überfordert fühlt. Es ist deshalb von Bedeutung, dass zu Beginn des Kurses ein Einstufungstest stattfindet, der nach Möglichkeit neben der schriftlichen auch die mündliche Sprachkompetenz bewertet. Unabhängig von der Unterrichtsform, verspricht eine Sprachreise insbesondere dann erfolgreich zu sein, wenn fast ausschließlich in der Fremdsprache gelehrt wird und geschultes Personal unterrichtet. Deshalb ist es sinnvoll, sich vorab über die Qualifikationen und Sprachkenntnisse der Lehrenden zu informieren: Handelt es sich um Muttersprachler und wie sind sie ausgebildet? Sprechen die Lehrer im Zweifelsfall auch Deutsch? Als Anfänger mag es einem zusätzlich Sicherheit geben, wenn bei Verständnisproblemen ab und zu auf die vertraute Sprache zurückgegriffen werden kann.

Art des Sprachkurses
Bei der Auswahl der Art des Sprachkurses ist es wichtig, genau zu überlegen, weshalb die Sprachkenntnisse vertieft werden sollen. Ist es das Ziel der Eltern, beim Nachwuchs den Spaß am Erwerb einer Fremdsprache zu fördern oder sollen konkrete Defizite in der Schule ausgeglichen werden? Will der Student aus reinem Interesse an Land und Leuten eine neue Sprache erlernen oder will er sich gezielt und fachspezifisch auf einen Studienaufenthalt im Ausland vorbereiten? Möchte der Auszubildende oder Berufsanfänger zunächst einmal nur die Scheu vor dem Sprechen einer Fremdsprache im Berufsalltag verlieren oder muss er für seinen Arbeitgeber fit im Business English werden? Je nach Beantwortung der zutreffenden Frage, sollte die Wahl entweder auf einen regulären Kurs, oft Standardkurs genannt, oder auf einen Intensivkurs fallen. Die Mehrzahl der Standardkurse trifft sich täglich, aber zum Beispiel nur vormittags. Gerade Anfänger und jüngere Schüler empfinden diese Kursform als ausreichend. Intensivkurse finden oft als Ergänzung zu den angebotenen Standardkursen statt und werden häufig nachmittags im Anschluss an den regulären Kurs angeboten. Möchte man in kurzer Zeit viel lernen – und traut man sich das auch zu – bietet sich der Besuch eines solchen intensiven Fremdsprachenkurses mit vielen Wochenstunden an. Während Standard- und Intensivkurse allgemeine Fremdsprachenkenntnisse vermitteln, werden alternativ Kurse angeboten, die gezielt ausgerichtet sind. So gibt es Abiturvorbereitungskurse sowie Sprachkurse, in denen auf das Bestehen eines bestimmten Sprachtests, zum Beispiel des IELTS oder TOEFL, hingearbeitet wird. Zusätzlich werden oft Kurse mit speziellen inhaltlichen Schwerpunkten angeboten. Immer nachgefragter sind so genannte Businesskurse, in denen die Teilnehmer Wissen erlangen und Vokabular erlernen, das sie in der sich internationalisierenden Berufswelt einsetzen können. Egal wie die Entscheidung in Bezug auf die Art des Kurses ausfällt, ist es ratsam, sich in der Planungsphase nach der Kursstruktur, der Anzahl der Wochenstunden, den Lehrmethoden und -materialien sowie nach den angebotenen Niveaustufen zu erkundigen. Eine Sprachreise stellt einen letzten Endes nur zufrieden, wenn man sich im richtigen Maße gefordert fühlt und man sich aktiv in das Unterrichtsgeschehen einbringen kann.

Herkunft der Teilnehmer
An einer Sprachschule oder am Sprachenzentrum einer ausländischen Hochschule trägt Internationalität in der Regel dazu bei, dass der Sprachkursabsolvent sich selbst mehr fordert und im Gespräch mit den anderen Teilnehmern die Fremdsprache wirklich anwendet. Je internationaler die Lerngruppen, desto größer ist oft der Erfolg – allerdings nur, wenn alle tatsächlich auf dem gleichen Sprachlevel sind. Ist man nur unter Deutschen, wird außerhalb der Unterrichtsräume meist automatisch deutsch gesprochen. Bevor jedoch von einer Sprachreise abgesehen wird, weil die Hemmschwelle noch zu groß ist, größtenteils anderssprachige Leute um sich herum zu haben, kann man durchaus mit anderen deutschen Teilnehmern fahren. In diesem Fall ist es natürlich erstrebenswert, in Alltagssituationen im Gastland nicht immer die anderen vorzuschieben, sondern an der Kinokasse oder im Supermarkt selbst das Wort zu ergreifen. Wenn möglich sollte man zusätzlich kleine Gespräche mit Einheimischen anregen.

Geographisches Ziel
Die gewünschte Sprache reduziert die für einen Sprachaufenthalt in Frage kommende Anzahl der Gastländer bereits automatisch. Nun geht es darum, mögliche Zielländer zu vergleichen und anschließend die passende Region oder Stadt auszuwählen. Besonders beliebt bei deutschen Sprachreisenden sind Ziele innerhalb Europas. Dies ist dadurch bedingt, dass die Anfahrten kurz und die Reisekosten vergleichsweise gering sind. Besteht Interesse an einer längeren Sprachreise und können die meist hohen Kosten für den Flug getragen werden, kommen natürlich auch Ziele in Übersee in Frage, wie beispielsweise Kanada, Südamerika, China oder Down Under. Möchte man das Risiko vermeiden, in eine reine Urlaubsatmosphäre hineinzugeraten, ist von Touristenhochburgen wie beispielsweise der Südküste Englands, dem Mittelmeerraum oder Florida abzuraten. Die Erfahrung zeigt, dass die Versuchung groß ist, die Sprachreise in einen Strandurlaub zu verwandeln. Soll der Spracherwerb im Vordergrund stehen, bietet es sich an, weniger stark nachgefragte Ziele ins Auge zu fassen, wo man auf Gleichgesinnte trifft und die Lerngruppen womöglich überschaubarer sind. Nicht die Attraktivität des Ortes, sondern die Qualität des Sprachkurses sollte bei der Entscheidungsfindung die größte Rolle spielen.

Unterkunft
Die Unterkunftsform der Gastfamilie ist bei vielen Sprachreiseteilnehmern beliebt. Allein oder zusammen mit einem anderen Teilnehmer wird ein Zimmer in der Wohnung oder im Haus der Gastfamilie bezogen, für die Verpflegung ist gesorgt und im Idealfall kann man mit Familienanschluss und netten Gesprächspartnern rechnen. Interessiert an der Aufnahme eines ausländischen Sprachschülers sind die Familien immer, viele sind es allerdings gewohnt, mehrmals im Jahr neue junge Menschen zu beherbergen, sodass der Kontakt nach Ende der Sprachreise häufig abbricht. Für die Zeit des Sprachkurses jedoch bietet sich der Aufenthalt in einer Familie an, da so auch außerhalb des Unterrichts jederzeit Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Gerade jüngere Schüler fühlen sich im Umfeld einer Gastfamilie wohl. Eine Reihe von Sprachreiseveranstaltern und Sprachschulen ermöglicht alternativ die Unterbringung in einem Zimmer, einem kleinen Apartment oder in einer aus anderen Teilnehmern bestehenden Wohngemeinschaft. Diese Unterkünfte befinden sich normalerweise nahe den Gebäuden, in denen der Unterricht stattfindet, zum Beispiel auf einem Internatsgelände. In einigen Ländern erhalten Sprachkursteilnehmer die Möglichkeit, in Studentenwohnheimen unterzukommen. Diese Option steht insbesondere Abiturienten und Studenten offen, die ihre Fremdsprachenkenntnisse an Sprachenzentren ausländischer Hochschulen auffrischen. In Einzelfällen können Sprachschulen diese Unterbringungsform ebenfalls anbieten. Vor Ort kann man die Einrichtungen der Colleges und Universitäten mitnutzen und oftmals Kontakt zu einheimischen Studierenden knüpfen.

Freizeitgestaltung
Meist bieten Sprachreiseveranstalter, Sprachschulen oder Sprachzentren ein Rahmenprogramm an, das Ausflüge, sportliche Aktivitäten und Abendveranstaltungen beinhalten kann; die Teilnahme ist freiwillig und ist manchmal mit einem Aufpreis verbunden. Mittlerweile gibt es zudem Sprachreisen, die den Sprachkurs und das Erlernen einer bestimmten Sportart, wie zum Beispiel Segeln, miteinander verbinden. Über die Angebote hinaus, macht es natürlich Spaß, seine Freizeit in einem fremden Land selbst zu gestalten. Je nach Alter kann man am Wochenende auf eigene Faust die Umgebung erkunden oder einfach alltäglichen Freizeitaktivitäten nachgehen. Das Fernsehen, das Radio, die Tageszeitung oder ein gemütlicher Cafébesuch, während dem man den Gesprächen um sich herum lauscht, können gut als beiläufige Quellen des Spracherwerbs genutzt werden.

Mehr als Sonne, Strand und Meer
Wurden die eigenen Ziele und Vorstellungen klar definiert und die Hochglanzbroschüren und bunten Websites der Anbieter von Sprachkursen kritisch hinterfragt, dürfte einer erfolgreichen Sprachreise nichts im Wege stehen und einen mehr erwarten als ein Strandurlaub.

Hüske (nun Henrix), Annike: „Sonne, Strand, Meer - oder mehr? – Die Planung einer erfolgreichen Sprachreise“, in: itchy feet – Das Magazin für Bildung und Karriere im Ausland, Nr. 5 / 2007, S. 26-28.

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