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Im fremden Land
Ein Schüleraustausch ist mehr als ein Sprachkurs - Tipps für Willige, in: Südkurier, Zeitung für Baden-Württemberg, 1. September 2005
Einmal raus aus dem deutschen Schulalltag und abtauchen in eine andere Welt. Dabei möglichst weit weg nach Amerika, Kanada, Neuseeland oder Australien. Das wünschen sich viele deutsche Schüler und alljährlich verwirklichen Tausende diesen Traum. Nach der 10. oder 11. Klasse tauschen sie für ein Jahr das Gymnasium mit der High-School und das Zuhause mit einer Gastfamilie. Neben der Chance, die Sprache gut zu erlernen, steht die Herausforderung, sich in einem fremden Land und dessen Kultur zurechtzufinden.
Schüleraustauschprogramme gibt es bereits seit Ende der 1950er Jahre. In den 1970er Jahren wurden sie immer populärer und heute nehmen bereits 13000 Jugendliche aus Deutschland jährlich an einem Jugendaustausch teil. Von den circa 40 Gastländern, die das Austauschangebot umfasst, stehen die USA an erster Stelle, gefolgt von weiteren englischsprachigen Ländern. Nach dem Motto "Go East" laden inzwischen auch osteuropäische Länder zum Austausch ein. Bis zum Jahr 2006 unterstützt die europäische Kommission die Kooperation der neuen EU-Beitrittsländer mit zehn Millionen Euro.
Die meisten Austauschschüler möchten mit ihrem Auslandsaufenthalt ihren Lebenslauf aufwerten. Sie hoffen dadurch auf bessere Chancen beim Berufseinstieg; denn immer mehr global agierende Unternehmen bevorzugen Mitarbeiter mit Auslandserfahrung und guten Sprachkenntnissen.
Ein Jahr in einem fremden Land ist jedoch weit mehr als nur ein Sprachkurs. Thomas Terbeck, Gründer des unabhängigen Bildungsberatungsdienstes "weltweiser" und Autor des "Handbuch Fernweh" sieht darin die einzigartige Möglichkeit, neben der Sprache auch die Kultur eines anderen Landes kennen zu lernen. "Es ermöglicht den Teilnehmern nicht zuletzt, eigene Werte, Normen und Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen und trägt somit maßgeblich zur Erweiterung des eigenen Horizonts bei. Der Nutzen für die Persönlichkeitsentwicklung ist enorm", so Terbeck.
Ein Jahr ganz auf sich gestellt sein ohne elterliche Fürsorge im Hintergrund, in einem Land, wo vom Essen über Lebensstandard, Umgangsformen und Religion alles fremd sein kann. Das sind Herausforderungen, denen sich ein Austauschschüler stellen muss. Für manchen Teenager mag das wie ein Sprung ins kalte Wasser sein - doch letztendlich führt es zu innerer Reife und persönlicher Stärke.
Wie gut sich ein Schüler in seine Gastfamilie integrieren kann, davon hängt maßgeblich der Erfolg seines Austauschjahres ab. Auch hier sind Toleranz und Offenheit angesagt. Und wem das gelingt, der erzielt nicht nur bessere Leistungen, sondern gewinnt meist auch Freunde fürs Leben.
Aufgepasst bei der Wahl der richtigen Austauschorganisation. Thomas Terbeck rät zu einem umfassenden Preisleistungsvergleich vor Vertragsabschluss. Außerdem sollte neben den Leistungen bezüglich der Betreuung (vor, während und nach dem Auslandsaufenthalt) auch das "Bauchgefühl" bei der ersten Kontaktaufnahme mit der Austauschorganisation mitentscheiden. Völlig unerheblich ist dagegen, ob das Programm von einem gemeinnützigen Veranstalter angeboten wird oder nicht.
Hilfe bei der Suche nach den individuell besten Programmen bietet der unabhängige Bildungsberatungsdienst "weltweiser" an. Die Kosten für den Besuch einer öffentlichen Schule im Ausland belaufen sich für ein Schuljahr auf 5000 bis 20000 Euro, je nach Gastland und persönlichem Gusto. Die USA gehören dabei zu den preiswerteren Ländern, da dort weder die Gastfamilien noch die Schulen bezahlt werden. Wer diese Kosten nicht aufbringen kann, sollte sich für ein Stipendium bewerben. Einige wenige werden über die Austauschorganisationen angeboten. Darüber hinaus gibt es noch staatliche Stipendienprogramme wie das Parlamentarische Patenschafts- oder das Voltaireprogramm sowie die Möglichkeit der Förderung über Auslandsbafög.
Schüleraustausch bedeutet Vertrautes hinter sich zu lassen und neue Erfahrungen zu sammeln. "Dennoch sollte man nicht von einer puren Austauscherfahrung sprechen", sagt die Schülerin Claudia Sch., die ein Schuljahr in den USA verbrachte "sondern vielmehr von einer Erfahrung fürs Leben, die einem den Anfang dafür bieten kann, sich selbst kennen zu lernen und Schritt für Schritt kleine und große Hindernisse zu überwinden."
Zita Schlomske
Weitere Informationen:
Unabhängiger Bildungsberatungsdienst "weltweiser" - www.weltweiser.de
- Handbuch Fernweh. Der Ratgeber zum Schüleraustausch - www.handbuchfernweh.de.
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