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PRESSE

Rat in Sachen Fernweh:
Tipps zum Schüleraustausch

Rundschau Wochenend, 6. November 1999
Sabine Tost

Plötzlich ist es da, dieses Kribbeln, Einfach so, ohne Vorwarnung. Diese Sehnsucht nach dem Abenteuer, nach der Erkundung der großen weiten Welt. Jedes Jahr werden Hunderte von Schülern mit Fernweh infiziert und wollen nur noch eins: weg von zu Haus.

Thomas Terbeck kennt dieses Gefühl nur zu gut. Der 27-jährige Student der Geschichte, Pädagogik und Soziologie nahm als 16-Jähriger das erste Mal an einem Austauschprogramm teil. Ein halbes Jahr lang durfte er in den USA den amerikanischen Way of Life kennen lernen. Danach begann er, sich ehrenamtlich um die Organisation von Austauschprogrammen und die Beratung von reisewilligen Schülern zu kümmern, die er nunmehr seit über 10 Jahren ausübt. Zwischenzeitlich tourte Thomas auch selbst immer wieder durch die Welt. Während seines Zivildienstes sparte er einen Teil seines Soldes, trug Zeitungen aus und hatte am Ende dieser Zeit stattliche 12.000 DM zusammengespart. Acht Monate lang hielt er sich in Südostasien und Australien über Wasser.

Mittlerweile hat Thomas fast 40 Länder in Europa, Nord- und Südamerika, Ozeanien und Südostasien bereist und seine Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben, das er jetzt selbst verlegt hat. Sein „Handbuch Fernweh“ richtet sich an 14- bis 17Jährige, die für einige Monate ins Ausland wollen. Thomas berichtet darin, was es bedeutet, seine vertraute Umgebung für eine lange Zeit aufzugeben und in einem fremden Kulturkreis, in einer fremden Gastfamilie zu leben. Und obwohl er davon überzeugt ist, das ein Schüleraustausch ideal für die persönliche Entwicklung eines Jugendlichen ist, zeigt er eine Reihe von Problemen auf, an die die Fernweh-Infizierten meistens nicht denken.

Da sind zum einen die persönlichen Voraussetzungen des Bewerbers. Die Austauschorganisationen verlangen von den Schülern im Allgemeinen neben Toleranz und Anpassungsfähigkeit eine gewisse Selbstständigkeit und persönliche Reife. Dann wären da  noch die Eltern! Wie schafft man es, Mama und Papa davon zu überzeugen, ein Jahr lang auf das geliebte Kind zu verzichten und dafür auch noch durchschnittlich 10.000 bis 20.000 Mark hinzublättern? Thomas gibt den Tipp, [auf die Vorteile) hinzuweisen. Ein Auslandsaufenthalt fördere die  Persönlichkeitsentwicklung und verbessere die Zukunftschancen, nicht zuletzt durch die erworbenen Fremdsprachenkenntnisse und die Fähigkeit, sich in der Ferne allein durchzuschlagen. Und wenn man selbst etwas zur Finanzierung der Reise beiträgt, indem man Nachhilfestunden, Zeitungsaustragen oder anderen Nebenjobs für seinen Reisetraum arbeitet und Geldgeschenke fleißig spart, bringen die Eltern sicherlich mehr Verständnis auf. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Reise mittels Bafög oder einem Stipendium zu finanzieren.

Thomas legt in seinem Ratgeber Wert darauf, niemandem falsche Illusionen zu machen. Er nimmt 60 deutsche Austauschorganisationen unter die Lupe und stellt deren Leistungen im Gastland vor. Mit Hilfe von übersichtlichen Tabellen kann man sich so einen schnellen und guten Überblick über den Bewerbungsverlauf und die Kriterien für die Aufnahme verschaffen, sich über das Preisleistungsverhältnis informieren und bekommt Tipps, worauf man sonst noch achten sollte, zum Beispiel Bewerbungsfristen und Reiserücktrittskosten.

Thomas hat sich bemüht, dabei die wichtigsten und beliebtesten Reiseziele der Schüler zu berücksichtigen: USA, Australien, England, Frankreich, Japan, Kanada, Südafrika und andere. Ein halbes Jahr hat es gedauert, alle Informationen der Austauschorganisationen zusammenzutragen.

„Die Tabellen zu schreiben war eine stupide Kleinarbeit, aber es hat trotzdem Spaß gemacht“, erzählt Thomas. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Sein Buch, das über ihn bezogen werden kann, ist wohl der umfangreichste Ratgeber, den es zu diesem Thema zur Zeit gibt. Eine Neuauflage ist schon geplant.

Weitere Informationen im Internet unter www.schueleraustausch-weltweit.de